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Projekt Pagode

Das Projekt war bereits in der Planung als Vollrestauration bis zur letzten Schraube vorgesehen.

 

Die Karosserie sollte metallisch blank sein, Lackierung, Interieur, Verdeck, Motor, Getriebe, Achsen, Lenkung, Bremsen etc. sollten in Neuzustand gebracht werden.

 

Das Projekt wurde im November 2008 in Angriff genommen und im Juni 2009 nach ca.1200 Arbeitsstunden fertig gestellt.

Der 280 SL kam vor ein paar Jahren aus Kalifornien zurück. Seit dem wurde er hier nur im Sommer bewegt. Allerdings beschränkten sich die Investitionen auf das nötigste. Schließlich war die Substanz sehr gut und das Auto machte keine Sorgen. Dennoch zeigte der Wagen bei näherer Betrachtung sehr gravierende Alterserscheinungen.

 

Also legten wir los. Nach dem Motto: "Nicht kleckern.." gingen wir die Sache gründlich und systematisch an. Vor der Demontage wurden Aggregate, Achsen und Unterboden trockeneisgereinigt. 


Aufgrund der hier seinerzeit verwendeten, kälteresistenten Mercedes Unterbodenversiegelung auf Kautschuckbasis war ein Lösen der schwarzen Unterbodenschutzschicht hier leider nicht zu realisieren.

Der Riß in der Tür war für die US-Kollegen wohl eine Nummer zu groß.
Da sie Aluminium nicht schweißen konnten, wurde hinter den unfallbedingten Riß in der Fahrertür einfach ein Blech genietet und die ganze Geschichte verspachtelt. Im Bild oben rechts sind  die "Dübellöcher" zu erkennen, die wir so lieben. Zugegeben, die Spachtelarbeit an dieser Tür war Klasse, der Schaden für den Laien kaum zu erkennen. Dennoch ist diese Tür nur noch mit sehr großem Aufwand zu retten und wird auch dann nicht  perfekt. In diesem Auto hat sie damit keine Zukunft. Zur Zeit suchen wir nach einem guten Ersatzteil.

Obwohl das Freilegen der linken Tür sehr ernüchternd war, hält das Auto die erwartete Qualität. Mit dem Heißluftfön tragen wir vom Kotflügel tatsächlich noch die Erstlackierung ab. Die originale Sicke neben dem Scheinwerfer haben nur unberührte Autos. Die Haube ist von innen ebenfalls gerngesund. Leider fehlt eine Käfigmutter – viel Arbeit, denn die Alu-Haube muß seitlich geöffnet werden um Käfigmuttern erneuern zu können. Fast 40 Jahre lang völlig unberührt fanden wir den Innenraum vor.

Reine Fleißarbeit, das Ablösen der Kleber und der serienmäßigen Dämmplatten auf Bitumenbasis.

Nützt nichts, das Zeug muß raus. Darunter zeigt sich die Erstlackierung im Werksstandard. Völlig gesund, kein Grund, diese Werksarbeit zu entfernen. Wir schleifen nicht ab, sondern nur an und bauen die Innenlackierung auf der Werkslackierung auf.

An diesem Seitenteil finden wir unter dem Spachtel eine typisch amerikanische Unsitte. Statt die leichte Verformung im Radlauf einfach wieder auszubeulen und das Blech in seine alte Form zurück zu treiben, schlägt oder bohrt man etliche Löcher in das gesunde Blech und spachtelt dann in abenteuerlichen Schichtstärken.


Der Spachtel drückt sich durch die Löcher und quillt auf der Rückseite auseinander

Dieser "Dübelefekt" funktioniert tatsächlich – aber nur im sonnigen Süden. In unseren Breiten zieht die Feuchtigkeit gerade über die Spachtelnasen von der Rückseite ein und zerstört das eigentlich gesunde Blech von unten.

 

Wie es richtig geht zeigt das rechte Bild. Die Löcher wurden wieder verschweißt, die alte Form des Radlaufes vorgetrieben und die Reparaturstelle flächig verzinnt.

Natürlich wäre es ein Leichtes gewesen, den Unterboden durch Sandstrahlen metallisch blank zu machen und neu zu beschichten. Bei dieser traumhaft erhaltenen Kalifornien-Karosserie wäre das viel zu brutal gewesen.

 

Die von Daimler Benz seinerzeit nach der Rostschutzgrundierung aufgebrachte Kautschukschicht hat das Blech 40 Jahre lang super geschützt. Stichproben zeigen eine völlig intakte Beschichtung, die auf jeden Fall erhalten bleiben soll. Lediglich der schwarze Unterbodenschutz auf Bitumenbasis steht einer haltbaren Beschichtung im Wege.

 

Wieder eine dieser Fleißarbeiten. Doch es hilft nichts, auf Bitumen kann man nicht lackieren – also muß das Zeug runter. Mit Reinigungsverdünnung und allerlei Bürsten legen wir die unbeschädigte Werksbeschichtung frei.

 

Die Mühe hat sich gelohnt.

Für den Einbau der Klimanlage wurde damals sehr brutal Platz im Motorraum geschaffen. Wir ergattern ein Originalteil aus einem Schlachtfahrzeug, das nun wieder den Originalzustand zeigt.

 

Auch eine Fahrertür wurde gefunden. Wie erwartet muß die Paßung nachgearbeitet werden.

Mit professionellen Schleifmitteln und Geräten wird die fast 40 Jahre alte Lackierung komplett abgetragen. Dabei wird das Schleifmedium so gewählt, dass ein Abtragen der Metalloberfläche ausgeschlossen ist.

 

Jetzt werden die Flächen nochmals kontrolliert und von unserem Feinblechner nachgearbeitet.

Endlich ist die Karosserie fertig für die erste Beschichtung. Bei uns kommen lediglich Epoxydharzgrundierungen zum Einsatz. Der beste Rostschützer den es derzeit am Weltmarkt gibt. Alle späteren Arbeiten werden immer wieder mit diesem Material isoliert. Garantiert nicht zum Einsatz kommen die gut füllenden Polyesterfüller, auch Spritzspachtel genannt. 

 

Diese feuchtigkeitsspeichernden Polyestermaterialien sind zwar gut schleifbar und führen viel schneller zu schönen Flächen, können dem Qualitätsstandard des gewünschten Ergebnisses aber nicht standhalten.

"Sproddern" nennen wir das dauerlastische Abdichten der Nähte das am Unterboden noch vor dem elastischen Steinschlagschutz angewandt wird. Der Feinschleiffüller ist bereits entsprechend der späteren Lackierung eingefärbt.

 

In diesem Stadium werden alle wesentlichen Chromteile endgültig angepaßt. Unterboden, Fahrgastzelle und Unterboden sind bereits fertig lackiert. Danach erhalten die Aussenflächen die Sichtlackierung. Auch hier können noch letzte Korrekturen vorgenommen werden bevor im nächsten Arbeitsgang die Endlackierung aufgebracht wird.

Obwohl der Motor eigentlich ganz passabel lief wurde er komplett zerlegt.  Die Kolben hatten noch Originalformat, allerdings waren die Kolbenringe gebrochen.  Der Viskoselüfter sprang nicht an, defekt wie die Kipphebel und etliche Düsen.

 

Der Ölverlust am Ventildeckel stammte nicht von einem defekten Öldeckel sondern war auf einen Haarriß im Ventildeckel zurück zu führen. Nach der kompletten Überholung muß sich der Motor nun über viele Stunden in allen Drehzahlbereichen auf dem Motorprüfstand beweisen.

***** Wie gerade vom Band gelaufen *****